Veranstaltungen zum jüngsten Teil der Seele

Und eine Frau, ein Kind an ihrer Brust, trat vor und sagte:
„Sprich uns von den Kindern.“

Und er sagte: Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Des Lebens Sehnsucht nach sich selbst ist es,
die eure Söhne oder Töchter zeugt.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Sie sind zwar bei euch, doch gehören sie euch nicht.
Gebt ihnen eure Liebe.
Die Gedanken aber, die ihr denkt, gebt ihnen nicht.
Sie haben ihre eigenen Gedanken.
Beherbergt ihre Körper, doch nicht ihre Seelen,
denn ihre Seelen wohnen in dem Haus von morgen,
das ihr nicht betreten könnt, selbst nicht in euren Träumen.“

Diese wunderschönen Verse von Khalil Gibran aus „Der Prophet“ sind eine Ode an die Freiheit der Seele, wie sie sich durch jedes Kind an die Welt verschenken möchte.

Jedes Kind ist seinem Wesen nach ein freier Ausdruck von Kreativität, Lebensfreude und Unschuld. Doch schon früh beginnen die Eltern aus Unwissenheit damit, die freie Seele des Kindes geistig in Besitz zu nehmen und nennen es Erziehung“ oder gar „Liebe“. Sie lieben ihr Kind auf natürliche Weise, doch ist ihre Liebe nicht frei. So entwickelt sich in dem Kind bald die gleiche Verwechslung von Liebe mit geistig-körperlichem Besitz.

Ein tragisches Missverständnis, welches später die Partnerschaften dieses Kindes bestimmen wird. Die freie Seele des Kindes, die nicht für ihr Freisein geliebt wird, zieht sich zurück und im Heranwachsenden übernimmt jetzt eine innere Instanz mit Erziehungsanspruch zunehmend die Oberherrschaft. Ob er es will oder nicht: Der Mensch (v)erzieht sich als Erwachsener innerlich so, wie es ihn seine Eltern gelehrt haben.

Die Folge ist eine zunehmende Trennung zwischen der Instanz der Seele, die wir „inneres Kind“ nennen, und einem „inneren Erwachsenen“. Eine innere Trennung, geprägt durch gegenseitiges Unverständnis. Das innere Kind fühlt sich verletzt und missverstanden, schützt seine Wunden im Verborgenen und kapselt sich mehr und mehr ab, während die innere Instanz des erziehenden Erwachsenen sich von den unberechenbaren Emotionen des Kindes zunehmend bedroht fühlt und sich weigert sie zu fühlen. Diese innere Atmosphäre misstrauischer Distanz zwischen dem inneren Kind und dem inneren Erwachsenen erlaubt es dem Kind nicht, Kind zu sein und dem Erwachsenen nicht, erwachsen zu sein. In dieser Situation stagniert die innere Entwicklung des Menschen, oder sie wird einseitig: Es entwickelt sich eine begrenzte, rationale Intelligenz, während das fühlende Wesen des Kindes verkümmert.

Innere Arbeit ist der natürlichen, ganzheitlichen Selbstentfaltung der menschlichen Seele gewidmet. Die Integration des inneren Kindes ist dafür ein wichtiger Schlüssel. Ein Schlüssel, der viele innere Türen öffnen kann. Deshalb beginnen wir den Zyklus Innerer Arbeit mit dem inneren Kind. Menschen lernen die bewusste Wiederaufnahme des Dialoges zwischen dem inneren Kind und dem liebevollen inneren Erwachsenen. Diese innere Kommunikation birgt in sich eine große Heilkraft und fügt in der Seele wieder zusammen, was zerrissen und getrennt schien.

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